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Appel des Monats - Januar 2008 - Burundi

2007

BURUNDI

Vergewaltigung - ein totgeschwiegenes Verbrechen

N.R., Einwohner von Bujumbura, der Hauptstadt von Burundi, hat gegenüber Vertretern der ACAT-Burundi erklärt, ein Händler in seinem Viertel habe ein 13 jähriges Mädchen vergewaltigt und dann der Mutter des Opfers 50.000 burundische Franken (rund 32 Euro) überwiesen, damit sie ihn nicht verklagt.

In Burundi bietet die übliche „gütliche Einigung“ der Familie eines Erweiterungsopfers auch die Möglichkeit, eine Ehe zwischen dem Opfer und dem Täter auszuhandeln, wodurch für soziale und wirtschaftlichen Unterstützung gesorgt ist. Bei solchen Regelungen, die mit Zwangsverheiratung vergleichbar sind, wird keine Rücksicht auf die Meinung und die Gefühle des Opfers genommen, zumal dann, wenn das Mädchen Waise ist, die Pflegeeltern anderswo leben und sich nicht um es kümmern. In solchen Fällen ist die gesellschaftliche Stellung des Mädchens so gut wie nichts wert.

Im Bürgerkrieg von 1993 bis 2003 waren Vergewaltigungen und sexuelle Gewalthandlungen an der Tagesordnung und dienten den bewaffneten Gruppierungen ebenso wie den staatlichen Streitkräften als Kriegswaffen. Mit dem Ende der Kampfhandlungen haben diese Verbrechen aber nicht aufgehört. In der Zeit von 2004 bis 2006 registrierte die Organisation Ärzte ohne Grenzen pro Jahr im Durchschnitt 1 346 Vergewaltigungsfälle, d.h. 26 pro Woche, was mit Sicherheit klar unter den tatsächlichen Zahlen liegt, denn viele sexuelle Übergriffe werden nie gemeldet. Besonders betroffen sind junge Frauen und minderjährige Mädchen.

Wegen gesellschaftlicher Ablehnung und aus Angst vor Repressalien ziehen es viele Opfer vor, zu schweigen und eine Vergewaltigung zu verheimlichen. Die Gesellschaft ächtet nämlich häufiger das Opfer als den Täter. Viele vergewaltigte Frauen haben keinerlei psychologische Hilfe oder rechtlichen Schutz ; mitunter wissen sie nicht einmal, dass sie gerichtliche Schritte unternehmen können. Unter diesen Verhältnissen, in denen die Opfer kein Verfahren einzuleiten wagen oder es nicht können, gehen die Täter allgemein straffrei aus, und es kommt vor, dass sie in keiner Weise behelligt werden. Aussagen über Vergewaltigungen, die Angehörige der Ordnungskräfte oder des Militärs begangen haben, verstärken noch das Misstrauen der Opfer gegenüber Behörden. Bei 5,8% der im Jahr 2006 gemeldeten Fälle von Vergewaltigungen sollen Soldaten oder Ordnungshüter die Täter gewesen sein.

Die diskriminierende Einstellung der Gesellschaft, maβgeblich bestimmt durch eine patriarchalische Kultur, und das mangelnde Bemühen der Polizei, die solche Übergriffe nicht ernst nimmt, halten die Opfer zusätzlich davon ab, strafrechtliche Verfolgung zu veranlassen. Durch weitere Faktoren, wie Armut und fehlenden Zugang zum Bildung, Informationen und gesundheitlicher Versorgung, befinden sich die Frauen in einer noch schlechteren Stellung.

Die ACAT-Burundi hat in Partnerschaft mit Amnesty International dese Probleme eingehend untersucht. Unsere ACAT will Unterstützung leisten mit der Forderung an die Regierung Burundis, unverzüglich Maβnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen in diesem Land vor sexueller Gewalt zu treffen.

Übersetzung des Briefes

Exzellenz, Die ACAT Luxemburg hat mich über die dramatische Situation von Frauen und Mädchen in Kenntnis gesetzt, die in Ihrem Land Opfer von Vergewaltigung geworden sind. Seit Ende des Bürgerkrieges belegen Zeugenaussagen das Besorgnis erregende, anhaltend hohe Ausmaβ an Vergewaltigungen und sexueller Gewalt und die nahezu unüberwindbaren Schwierigkeiten für die Opfer, Zugang zu Gerichten und Entschädigungen zu erhalten.

In der Zeit von 2004 bis 2006 erhielt die nichtstaatliche Organisation Ärzte ohne Grenzen pro Jahr im Durchschnitt 1 346 Aussagen von Frauen, die Opfer von Vergewaltigung geworden waren. Von einem Groβteil dieser Vergewaltigungen (bis zu 60%) waren Minderjährige betroffen.

Die burundischen Behörden machen nicht die notwendigen Anstrengungen, diese Vergewaltigungen zu verhindern, zu untersuchen oder strafrechtlich zu verfolgen. Die Täter entkommen dadurch zumeist ihren Strafen. Dass es zwecklos ist, strafrechtliche Verfolgung zu veranlassen, hàllt die Opfer sogar davon ab, die erlittenen Vergewaltigung anzuzeigen, da sie Angst vor Racheakten und gesellschaftlicher Ablehnung haben.

In Anbetracht dieser bedenklichen Lage ersuche ich die Regierung Burundis dringend, alle notwendigen Maβnahmen zu ergreifen, um
• die Gewalt gegen Frauen öffentlich klar zu missbilligen, insbesondere die Vergewaltigungen, deren Täter den Gesetzen entsprechend verurteilt und bestraft werden müsse ;
• das Verhalten und die Verfahrensweisen der Polizei und der Justiz zu ändern, damit diese tatsächlich ihre Rolle erfüllen und die gemeldeten Vergewaltigungen ernsthaft untersuchen, um die Straftäter zu überführen und die Entschädigung der Opfer zu veranlassen ;
• im ganzen Land, einschlieβlich der ländlichen Gegenden, ein Programm zur Unterstützung, zum Schutz und zur Rechtshilfe für die Opfer von Vergewaltigungen einzurichten, mit Unterstützung und in Zusammenarbeit mit spezialisierten nichtstaatlichen Organisationen.

Ich danke Ihnen im Voraus dafür, dass Sie meinem Anliegen Rechnung tragen.

Mit vorzüglicher Hochachtung.

P.-S.

Wir schreiben an Pierre Nkurunziza,
Präsident der Republik Burundi.

Fax : 00 257 22 227 490.

Namen und Anschrift sowie Datum einsetzen und die Unterschrift nicht vergessen.

Mit 0,90 € frankieren.

Schreiben bis 15. Februar 2008.

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